Das Wetter hat sich auf niedrigem Niveau stabilisiert. Das bedeutet kein Regen aber auch keine Sonne bei knapp 20 Grad. Ab und zu hat ganz oben jemand eine feuchte Aussprache und der Wind ist teilweise sehr heftig, nicht immer zu meinen Gunsten.
Es ist immer schwer, aus einer größeren Stadt herauszufinden. Erst fahre ich in der falschen Richtung. Fahrradwege enden abrupt in der Baustelle.
Irgendwann ist es geschafft und ich bin auf dem Weg nach Frombork (Frauenburg).
Wieder mal so ein Ort, der irgendwie außerirdisch wirkt. Alles extrem sauber und gepflegt, touristisch, viele Gaststätten und ein kleiner Hafen.
Ich bin fast an der Ostsee angekommen, denn das ist das Frische Haff. Ein Haff ist ein komplett vom Meer durch die Nehrung getrennter Brackwasserbereich. Die berühmte Kurische Nehrung weiter im Osten kann ich von hieraus nicht sehen. Das macht aber nichts, ich fahre ja noch hin.
Aber zunächst fahre ich wieder vom Meer weg. Dazu verlasse ich endgültig den Europaradweg R1, schleiche mich an Zar Putins Reich Kaliningrad vorbei und nehme einen individuellen Weg nach Lidzbark Warminski. Zugegeben, kein besonders poetischer Name.
Wo fängt das richtige Masuren eigentlich an - ist ja kein Strich auf der Straße.
Ich habe bei Wikipedia nachlesen, ich bin noch garnicht da. Kurz nach Frombork muss ich meine Karte austauschen, da überfallen mich ganze Mückenschwärme. Ich bin sicher, ich bin in Masuren! Stimmt aber nicht, erst morgen ist es soweit.
Die Landschaft ähnelt sehr der brandenburgischen. Warum bin ich dafür so weit gefahren?
Vielleicht, weil ich hier durch eine Kleinstadt fahre, die früher Mehlsack hieß. Auch wenn die Polen mit den alten deutschen Namen kein ernsthaftes Problem mehr haben, stehen diese Bezeichnungen natürlich nicht auf den Ortsschildern, sondern nur auf den deutschen Landkarten. Leider verschwindet ja auch der schöne ostpreußische Dialekt. Wenn ich Glück habe, kann ich ihn in den nächsten Tagen noch mal hören.
Die Leute sind auch deutlich freundlicher. Ich werde mehrmals zuerst gegrüßt, ein Lkw-Fahrer bedankt sich, weil ich ihm die Vorfahrt lasse.
Ungefähr 20 km vor Lidzbark beginnen die Baustellen. Ein Martyrium für alle Verkehrsteilnehmer! Einspuriger Verkehr mit zeitgesteuerter Ampelregelung, kurze Pause, dann wieder das Gleiche. Ergebnis: eine Kolonne hat endlich eine Baustelle überwunden um gleich wieder 10 Minuten an der nächsten zu stehen usw.
Mir kann es egal sein, ich ignoriere die roten Ampeln und werde sogar freundlich von den Bauarbeitern durchgewinkt.
Abgesehen von den Baustellen sind die Straßen jetzt auch wesentlich besser.
Weil wir gerade bei den Autofahrern waren, ich wollte ja noch meine Erklärung dafür geben, warum in Polen soviel Opel fährt: Opel ist ein Anagramm oder Schüttelwort von Pole.Auf solche Lösungen kommt man nur durch langes Fahrradfahren ...
Heute waren es 126 km (auch bedingt durch Umleitungen). Die nächsten Etappen werden aber deutlich kürzer, ich habe es mir versprochen.
wie ich aus Deinen Berichten entnehme läuft alles süper und die Knochen machen auch mit.War mit Ernst kurz am Dienstag in Gütersloh näheres später.Weiter gute Tour Gruß Butt-Uwe
AntwortenLöschenJa, die morschen Knochen halten, wenns Probleme geben würde, hätte ich ja noch meinen eisernen Willen!
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