Samstag, 24. August 2013

Polen-Rußland-Litauen

Heute soll die Tour also richtig international werden. Ich habe mir eine kurze Strecke vorgenommen,  weil ich keine Ahnung habe,  was mich in Litauen erwartet.
Zuerst einmal gibt's Frühstück.

Der Festsaal ist leer, niemand zu sehen, nur in der Küche klappert es.
Eine etwas unbeholfene Dame weist mir einen Platz am "Präsidiumstisch" zu. Leider kein Buffet,  alles auf Zuteilung, immerhin reichts zum satt werden. Wenig später kommt ein deutsches Ehepaar, das mit Bahn und Bus auf den Spuren ihrer Vorfahren unterwegs ist. Ich halte mich nicht lange auf ind starte bald Richtung Litauen.

Die Strecke ist heute sehr hügelig, schön anzusehen aber bei unangenehmen Wind schwer zu fahren. Dafür gibt es nicht viel Verkehr. Die Autos haben jetzt häufiger litauische und russische Kennzeichen.

Als ich gerade Pause mache, überholt mich ein Fahrradfahrer mit Gepäck, er fährt bei knapp 20 Grad mit freiem Oberkörper und winkt mir kurz zu.
Wenig später sehe ich ihn einige hundert Meter vor mir stehen. Als ich näher komme, fährt er weiter. Deprimierend! Findet er mich schon unsympathisch,  bevor wir uns gegenüber stehen konnten?

Als ich in einem SKLEP noch etwas Wasser und Kuchen für die Weiterfahrt kaufe, begegnet er mir nochmals kurz. Da bemerke ich, dass er polnisch spricht. Aha, das ist wohl die Erklärung. Die Frau im SKLEP kann ich nicht überreden,  das Wechselgeld zu behalten, ich kann doch nichts damit anfangen.

Auch wenn ich als Fahrradfahrer nicht die besten Erfahrungen gemacht habe, macht mich doch der Abschied ein bisschen wehmütig.  Selbst wenn die Polen auf der Straße etwas abweisend wirken,  sind sie doch gute Gastgeber.

Es in diesen Tagen niemals passiert,  dass mich jemand betrügen wollte oder abweisend reagiert hat. Im Gegenteil, gerade in der Gastronomie waren die Mitarbeiter alle sehr freundlich und hilfsbereit. 

Also Leute, auch Polen ist eine Reise wert! 

Punkt zwölf stehe ich am Dreiländereck Polen-Rußland - Litauen. Auf polnischer Seite sind extra eine Tafel und ein Stein aufgestellt worden. Putin hat einen Gartenzaun aufstellen lassen und die Tür abgeschlossen. Nach Litauen komme ich hier aber auch nicht,  der Weg führt nicht weiter.

Auf der Suche nach einem Weg nach "drüben" treffe ich den Radler nochmal.  Endlich kommen wir ins Gespräch.  Er ist aus Kutno in Zentralpolen hierher aufgebrochen und will nur mal kurz an der Grenze lang fahren. Insgesamt hat er nur vier Tage Zeit. Armer Hund! Wir verabschieden uns freundlich und ich drehe endgültig nach Litauen ab.

Eine Stunde nach der Besichtigung des Dreiländerecks überquere ich nun wirklich die Grenze.

Der erste Eindruck ist sehr positiv,  die Straßen sind sehr gut und alles sieht gepflegt aus.

Mal sehen, wie es weitergeht.

Ich biege wie geplant zum Ferien- Ressort Victoria ab. An der Rezeption vor mir sind einige Litauer
Nachdem ich mir einige Zeit die Sprache angehört habe, merke ich,  dass ich wohl nicht ein einziges Wort nachsprechen könnte. Mir kommt es wie eine einzige Buchstabensuppe vor, etwa so, als ob Skandinavier wie die Sties sprechen würden (man muss dazu den Film "Willkommen bei den Sties" kennen).

Als ich dran bin,  stellt sich heraus,  dass Kreditkarten nicht akzeptiert werden - nur Bares ist Wahres!

Der nächste Geldautomat soll 30 km weiter sein. Glücklicherweise wird der Euro akzeptiert. Etwas peinlich ist mir,  dass ich die Scheine an der Rezeption aus dem Schuh kramen muss. Ich habe ja damit nicht gerechnet und wollte das Geld als Notreserve dort aufbewahren,  falls mir etwas gestohlen wird (ja, ja die Vorurteile).

Immerhin habe ich ein Dach über dem Kopf und bekomme was zu Essen. Das Ressort ist wohl noch aus Sowjetzeiten, alles sehr schlicht,  aber an einem schönen See gelegen.  Die Grenze zu Russland verläuft in der Mitte.

Heute waren es nur 56 km - Negativrekord, aber dafür bin ich in einem neuen Land!

Kleiner Nachtrag: inzwischen war ich im Restaurant essen. Sehr interessant.  Zuerst die Suppe des Tages - pinkfarben, kalt, enthält Kohl und gekochtes Ei . Dazu werden warme Salzkartoffeln mit Dill serviert.  Als Hauptgericht hatte ich aus purer Unsicherheit ein Steak ausgesucht, dazu gab's wieder Salzkartoffeln und eine fertige Grillsoße. Als Garnierung zwei Pilstomas, die auf den Namen "Volfas Engelman" hören. Das Ganze für deutlich weniger als zehn Euro. Man sollte sich dabei vor Augen halten, was dabei für die Leute,  die die Arbeit machen,  übrig bleibt. Wenigstens habe ich mir noch mein erstes litauisches Wort beibringen lassen: Ačiū - heißt danke und wird "Aitschu" gesprochen.

Und ganz zum Schluss habe ich mir einen schönen Sonnenuntergang am See Vistyneckoe gegönnt. 

2 Kommentare:

  1. Mehr Mut beim Essen, dann hast Du die Chance in eine höhere Gewichtsklasse zu kommen.(man sieht Dich besser und bergab geht esauch schneller)Weiter gute Fahrt.Wir sind alle bei Dir.
    Uwe

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  2. Ich hab erstmal mehr Mut beim Trinken. Zu viel Essen führt aber zu Problemen neim Bergauffahren.

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