Mittwoch, 28. August 2013

La Paloma

Auf, Matrosen, ohé, einmal muß es vorbei sein ...
Ja, ja ganz schön übertrieben,  aber was macht man nicht alles für eine Überschrift.
Die Fahrt mit der Fähre von Klaipeda nach Sassnitz ist der Schußpunkt hinter meine zweite größere Fahrradreise.
Mein letztes sauberes T-Shirt habe ich mir bis heute aufgehoben, um nicht allzu verlottert auszusehen und zu riechen.
Um 12 Uhr muss ich das Hotel verlassen. Bis dahin kann ich noch mal duschen. Das Gepäck und mein Fahrrad kann ich bis 16 Uhr im Gasthaus lassen.
Vorher muss ich noch die Zeit totschlagen.  Die Taschen sind gepackt und das Zimmer geräumt.
Im eXtra-Supermarkt besorge ich mir noch was zu essen und zu trinken.  Dann mache ich noch einen Rundgang durch die Altstadt, ich möchte mir von Inge noch was ostpreußisches erzählen lassen und ihr meine restlichen Litas geben, damit sie was für den Winter hat.
Leider hat sie mich versetzt. Wo gestern ihr Stand war ist heute eine Lücke. Schade für uns beide.
Also schlendere ich weiter und finde noch paar interessante Motive. Zum Beispiel das intuitiv verständliche Piktogramm für die Öffnungszeiten. Das könnte man weltweit sofort einführen und damit viele Missverständnisse verhindern.
Oder den Kanaldeckel aus der litauschen sozialistischen Sowjetrepublik, oder die alte Apotheke,  oder das Denkmal für  Ännchen von Tharau ...
Dann mache ich mich auf den Weg zur Fährte.
Es ist eine breite , teilweise recht schlechte Straße und der Weg zieht sich lang hin. Um 16 Uhr erreiche ich den Fährterminal.
Hier trifft sich natürlich alles, was wieder zurück nach Deutschland will.
Vor mir ein älteres Ehepaar aus Bayern mit so einem Monstermotorrad, irgendwas mit "Golden Wings". Er muss sich mächtig anstrengen, um wieder aufsteigen zu können.  Hinter mir eine Familie aus PM auf der Rückreise aus Lettland.
Mit Christin,  der angehenden Vikarin und Franz, der als IT-Mann bei einem großen Autohersteller in München arbeitet und seinen Master macht, beide aus Sachsen und mit dem Rad unterwegs, unterhalte ich mich beim ewigen Warten auf das Boarding.
Dann geht's endlich los.
„Vada a bordo, cazzo!"
Fahrräder haben Vorrang. Auf den Auto- bzw. Bahndecks sieht es nicht wie auf einer Fähre für Personenbeförderung aus. Wir bekommen einen ungefähren Platz zugewiesen und zurren unsere Fahrräder mit einem gewaltigen Spanngurt fest. Zum Glück interessiert sich niemand für uns.
Deshalb kann ich fast das gesamte Gepäck am Fahrrad lassen.  Ich nehme nur eine kleine Fahrradtasche, die ich entsprechend vorbereitet hatte und die Lenkertasche mit.
Ich suche mir meinen "Pullman-Sessel". Der Raum ist ziemlich groß, wir werden zu fünft darin nächtigen.
Insgesamt bleibt die Fähre ziemlich leer. Vielleicht zwanzig Pkws, keine Lkws, ein paar Motorräder und Fahrräder,  das ist alles.
Eine Viertelstunde früher als geplant gehts los, erst durch die Nehrung bis Klaipeda,  dann in die Ostsee.
An der Bar trinke ich mit Christin und Franz noch ein Bier. Am Nebentisch höre ich einen verdächtigen Dialekt - ein älterer Herr aus der Nähe von Seifhennersdorf,  der schon 30 Jahre in Hessen lebt. Als ich ihn enttarnt habe, gibt er zur Freude aller Drumherumsitzenden einen Satz vom "rostroten Ferrari" zum Besten, der das rollende R herrlich unterstreicht.
Dann gehe ich "zu Bett". Das Lehrerpaar aus Bayern hat die Schlafsäcke aus dem Auto geholt und es sich auf dem Fußboden bequem gemacht. Ich nehme mir die Sitzbank und kann leidlich schlafen.
Zwischendurch werde ich durch laute Musik und Gesänge vermutlich aus den Mannschaftsräumen geweckt. Das hört sich nach Saufgelage an. Im Halbschlaf denke ich nur: hoffentlich ist der Kapitän nicht dabei ..., dann bin och wieder weg.
Morgens entdecke ich an Deck neben einem Aschenbecher ein Schild. Sinngemäß : "Raucher sterben früh". Jemand hat darunter gekritzelt "wenn sie außerdem trinken". Wird wohl jemand von der Mannschaft gewesen sein,  die kennen sich damit aus.
Die Fahrt von Sassnitz nach Berlin mit der DB wird hoffentlich kein berichtenswertes Abenteuer.
Bis Montag werde ich wohl den Schlussbericht fertig haben. Bis dahin wünsche ich euch ein schönes Wochenende!

1 Kommentar:

  1. Mit der Heimkehr, das müssen wir nächstens besser planen! EDV-Problem im Pürto ...;-)

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