Der Tag beginnt sonnig.
Wie immer bediene ich mich großzügig am Frühstücksbuffet. Erst ein paar Cornflakes mit Milch, dann zwei bis drei Brötchen, gerne auch Kuchen und Joghurt, dazu Saft und Kaffee.
Das geht nicht anders, sonst komme ich nicht mit Wasser und Süßkram bis zur Mittagspause.
Heute will ich nicht so weit fahren, also lasse ich es langsam angehen.
Wie immer ist es schwierig, den richtigen Weg aus der Stadt zu finden.
Nach einiger Zeit hupt mich ein Lkw auf einer zweispurigen Fernstraße an. Da ich nicht ausweichen kann - es gibt nur einen schmalen, 5 cm tiefer liegenden Randstreifen - fahre ich einfach weiter, der Lkw auch. Das war knapp, ich schaffe es gerade so, auf dem Rand zum stehen zu kommen. Kurze Zeit später überholt mich im Ort ein Kleintransporter und biegt direkt vor mir ab - bin ich Luft?
Damit nicht genug. Ich war auf einer Fernstraße unterwegs, als von rechts ein Caravan aus einer Nebenstraße kam. Alles war übersichtlich, also fuhr ich weiter. Der Caravan gab Gas und machte im letzten Moment eine Vollbremsung.
Schwein gehabt, das wäre die Krönung.1000 km durch Polen zu fahren und trotz rabiater polnischer Autofahrer ohne Kratzer davon zu kommen, um dann von einem Rheinländer über den Haufen gefahren zu werden!
Ich weiß nicht, wer den größeren Schreck bekommen hat, jedenfalls hat er sich später noch zweimal wortreich bei mir entschuldigt.
Zuviel zu meiner naiven Vorstellung, dass es in Masuren gemächlich zugeht.
Immerhin sehe ich auch ohne Strich auf der Straße, dass ich jetzt wirklich in Masuren bin. Das Schild ist eindeutig. Es ist jetzt auch wesentlich hügeliger als bisher.
Mein heutiges Ziel heißt Rastenburg, auf polnisch Kętrzyn. Unweit davon, in Gierłoż, ließ sich Hitler ab 1940 unter strenger Geheimhaltung die Wolfsschanze bauen, sein Hauptquartier für die Ostfront. Am 20. Juni 1944 fand hier das letztlich erfolglose Attentat auf Hitler durch von Stauffenberg, von Tresskow und andere statt.
Die Ruinen sind heute Freiluftmuseum. Das wollte ich mir ansehen.
Ursprünglich wollte ich in Kętrzyn übernachten, aber dann stellte ich fest, dass die Wolfsschanze sieben km entfernt liegt und dass dort in einem ehemaligen Gebäude der Wachmanschaften ein Hotel eingerichtet wurde.
Als ich im Regen ankomme, ist das Hotel ausgebucht. Also habe ich erst mal das Gelände besichtigt. Es werden auch Führungen angeboten.
Eigentlich ist nicht viel zu sehen.Nur riesige Betonbrocken und eine Gedenktafel an der Stelle, wo das Attentat stattfand.
Unter dem bekannten Motto "rückwärts nimmer, vorwärts immer" entschließe ich mich, nicht nach Kętrzyn zurück zu fahren, sondern weiter Richtung Litauen zu fahren. Dabei entdecke ich genau die Motive, die man von Masuren klischeehaft annimmt. Es gibt sie wirklich!
Ich finde ein nettes Motel. Wieder esse ich die hervorragende polnisch Suppe Zurek (Schureck gesprochen), die jedes mal anders ist und jedesmal wunderbar schmeckt.
Nebenbei erfahre ich, dass eine Kellnerin 1, 50 € pro Stunde verdient und eine andere Frau für das Kartoffelsortieren 1 € pro Stunde.
Was sonst noch passierte:
Heute habe ich drei Fernradler getroffen, alle in der falschen Richtung unterwegs, aber wir haben uns herzlich über die Straße gegrüßt. Gestern sind mir zwei Bremer begegnet, die mir bestätigt haben, dass Kaliningrad nicht unbedingt ne Reise wert ist.
Dass mir alle nur entgegen kommen, kann eigentlich nur an meiner hohen Geschwindigkeit liegen. Warum überhole ich bloß niemanden?
Heute waren es 89 km bis Sterławki Wielkie.
Bilder kann ich leider heute keine mehr erstellen, ich habe häufige Verbindugsabbrüche.

Wir sind bei Dir. ALLE! Gote
AntwortenLöschenBist du eigentlich versichert in Polen? Ansonsten ein schönes sonniges WE. Susi M.
AntwortenLöschenHab ich fast vergessen! Ist ja schon wieder Wochenende - für mich Arbeitstage wie alle anderen. Bevor ich mich gemästet wie eine Weihnachtsgans an die polnisch-litauische Grenze nach Goldap aufmache, wünsche ich euch ein schönes Wochenende.
AntwortenLöschenEin Teil von euch wird ja erst am Montag lesen, wie es mir in Litauen gefällt.
Ach so, Susi, was meinst du mit Versicherung - krankenversichert ja, der Rest nützt ja sowieso nichts.
AntwortenLöschenDie Straßen in Polen sind doch gar nicht so schlecht wenn du dir diese in Russland anschaust ;) Buckelpiste
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