Montag, 19. August 2013

Elblag

Heute habe ich mich verkalkuliert. Eigentlich wollte ich heute eine kurze Etappe einlegen und mir in Ruhe die Marienburg ansehen. Aber mir schwante schon morgens beim Einrichten der Route, dass es wohl mehr werden könnte, über 90 km die Originalroute plus ca. 20 km für den Umweg nach Malbork.

Der Hotelangestellte an der Rezeption hat mir übrigens erzählt, dass es zwischen Kaliningrad und Polen einen kleinen Grenzverkehr ohne Visum für die Bewohner der grenznahen Bereiche gibt.Diese Option wird aber vorwiegend von russischen Bürgern zum Einkaufen benutzt. 

Das Wetter war perfekt - gut 20 Grad,  ein leichtes Lüftchen. Leider verläuft der Radweg hinter dem Deich,  aus Gründen,die ich gestern beschrieben habe. Dabei ist es auf der Deichkrone viel schöner. 

Erstaunt stellte ich fest, dass die Ernte schon wieder vorbei ist. Gestern wurde noch überall Getreide geerntet, heute werden schon die Strohballen eingesammelt. Von Pferdewagen keine Spur mehr. Fast überall ist schweres Gerät im Einsatz.

Mit dem Fahrrad zu reisen,  ermöglicht ja einen ganz anderen Blick auf die Umgebung, als das mit heute sonst üblichen Verkehrsmitteln möglich ist. 

Mit dem Auto oder dem Zug rauscht alles viel zu schnell vorbei, vom Flugzeug ganz zu schweigen. Das Fahrrad ist sozusagen die Postkutsche der Gegenwart. 

Zum Beispiel ist mir aufgefallen, dass die Buswartehäuschen regional sehr unterschiedlich sind. Hätte ich das am Anfang gewusst, dann hätte ich eine Fotoserie dazu gemacht.

Auch die Häuser sind sehr interessant. Da gibt es in den Dörfern die schon erwähnten Wohnblöcke, bei denen jetzt jeder nur seine eigene Wohnung wärmeisoliert. Das sieht merkwürdig aus und ist auch ergonomisch Unsinn.

Dann gibt es die Paläste auf freiem Feld, bei denen römische Kaiser neidisch geworden wären und daneben umvollendete Rohbauten, die zum Verkauf stehen. 

Von den Straßen habe ich ja schon erzählt. Heute war es besonders drastisch: wunderbar glatte neue Straßen und dann wieder hundsmiserable Pisten, bei denen es keinen Quadratmeter mehr gibt, der halbwegs glatt ist. 

Polen ist schon ein Land der Gegensätze, nur die Autofahrer haben alle das gleiche rücksichtslose Vollgas fahren gelernt.

Mein Umweg zur Marienburg (Malbork) aus dem 13. Jahrhundert hat sich gelohnt.Es ist eine gewaltige Backsteinburg mit vielen erstaunlichen Einbauten, z.B. einer Fußbodenheizung oder Toiletten, die die Hinterlassenschaften direkt in den Fluss Nogat ableiteten. Als Hakle-Feucht wurden Kohlblätter verwendet.

Während meines Rundgangs stand mein Fahrrad angeschlossen und mit allen Packtaschen vor der Burg und es ist nichts verschwunden


Nach sieben Tagen auf dem Rad ist es Zeit, mal eine Zwischenbilanz zu ziehen. 

Polen ist durchaus eine Reise wert, aber besser nicht mit dem Fahrrad. Alles ist deutlich preiswerter als in Deutschland.Die Mitarbeiter im Gastgewerbe sind alle sehr hilfsbereit und freundlich, die Leute auf der Straße sind eher mürrisch.

Ich bin an sieben Tagen 783 km bei einem Schnitt von 16 km gefahren, an der Geschwindigkeit haben auch die zahllosen Hunde ihren Anteil. Da der Europaradweg nach meiner Meinung viele Sehenswürdigkeiten umgeht, wollte ich auch zügig weiter und erhoffe mir noch Einiges von Masuren und Litauen. 

So, morgen ist Ruhetag und dann schreibe ich wirklich was über Elblag.



2 Kommentare:

  1. Hi Graf,
    warum gönnst Du dir die weiteren Sehenswürdigkeiten nicht neben dem Radweg?
    Was treibt Dich so schnell voran? Termindruck?
    Gruß ExportExpert

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  2. Wie schon gesagt, die Straßen sond hundsmiserabel und die Autofaher scheonen es auf meinem Leben abgesehen zu haben
    .Ich hoffe auf die Beschaulichkeit von Masuren!

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