Mittwoch, 28. August 2013

La Paloma

Auf, Matrosen, ohé, einmal muß es vorbei sein ...
Ja, ja ganz schön übertrieben,  aber was macht man nicht alles für eine Überschrift.
Die Fahrt mit der Fähre von Klaipeda nach Sassnitz ist der Schußpunkt hinter meine zweite größere Fahrradreise.
Mein letztes sauberes T-Shirt habe ich mir bis heute aufgehoben, um nicht allzu verlottert auszusehen und zu riechen.
Um 12 Uhr muss ich das Hotel verlassen. Bis dahin kann ich noch mal duschen. Das Gepäck und mein Fahrrad kann ich bis 16 Uhr im Gasthaus lassen.
Vorher muss ich noch die Zeit totschlagen.  Die Taschen sind gepackt und das Zimmer geräumt.
Im eXtra-Supermarkt besorge ich mir noch was zu essen und zu trinken.  Dann mache ich noch einen Rundgang durch die Altstadt, ich möchte mir von Inge noch was ostpreußisches erzählen lassen und ihr meine restlichen Litas geben, damit sie was für den Winter hat.
Leider hat sie mich versetzt. Wo gestern ihr Stand war ist heute eine Lücke. Schade für uns beide.
Also schlendere ich weiter und finde noch paar interessante Motive. Zum Beispiel das intuitiv verständliche Piktogramm für die Öffnungszeiten. Das könnte man weltweit sofort einführen und damit viele Missverständnisse verhindern.
Oder den Kanaldeckel aus der litauschen sozialistischen Sowjetrepublik, oder die alte Apotheke,  oder das Denkmal für  Ännchen von Tharau ...
Dann mache ich mich auf den Weg zur Fährte.
Es ist eine breite , teilweise recht schlechte Straße und der Weg zieht sich lang hin. Um 16 Uhr erreiche ich den Fährterminal.
Hier trifft sich natürlich alles, was wieder zurück nach Deutschland will.
Vor mir ein älteres Ehepaar aus Bayern mit so einem Monstermotorrad, irgendwas mit "Golden Wings". Er muss sich mächtig anstrengen, um wieder aufsteigen zu können.  Hinter mir eine Familie aus PM auf der Rückreise aus Lettland.
Mit Christin,  der angehenden Vikarin und Franz, der als IT-Mann bei einem großen Autohersteller in München arbeitet und seinen Master macht, beide aus Sachsen und mit dem Rad unterwegs, unterhalte ich mich beim ewigen Warten auf das Boarding.
Dann geht's endlich los.
„Vada a bordo, cazzo!"
Fahrräder haben Vorrang. Auf den Auto- bzw. Bahndecks sieht es nicht wie auf einer Fähre für Personenbeförderung aus. Wir bekommen einen ungefähren Platz zugewiesen und zurren unsere Fahrräder mit einem gewaltigen Spanngurt fest. Zum Glück interessiert sich niemand für uns.
Deshalb kann ich fast das gesamte Gepäck am Fahrrad lassen.  Ich nehme nur eine kleine Fahrradtasche, die ich entsprechend vorbereitet hatte und die Lenkertasche mit.
Ich suche mir meinen "Pullman-Sessel". Der Raum ist ziemlich groß, wir werden zu fünft darin nächtigen.
Insgesamt bleibt die Fähre ziemlich leer. Vielleicht zwanzig Pkws, keine Lkws, ein paar Motorräder und Fahrräder,  das ist alles.
Eine Viertelstunde früher als geplant gehts los, erst durch die Nehrung bis Klaipeda,  dann in die Ostsee.
An der Bar trinke ich mit Christin und Franz noch ein Bier. Am Nebentisch höre ich einen verdächtigen Dialekt - ein älterer Herr aus der Nähe von Seifhennersdorf,  der schon 30 Jahre in Hessen lebt. Als ich ihn enttarnt habe, gibt er zur Freude aller Drumherumsitzenden einen Satz vom "rostroten Ferrari" zum Besten, der das rollende R herrlich unterstreicht.
Dann gehe ich "zu Bett". Das Lehrerpaar aus Bayern hat die Schlafsäcke aus dem Auto geholt und es sich auf dem Fußboden bequem gemacht. Ich nehme mir die Sitzbank und kann leidlich schlafen.
Zwischendurch werde ich durch laute Musik und Gesänge vermutlich aus den Mannschaftsräumen geweckt. Das hört sich nach Saufgelage an. Im Halbschlaf denke ich nur: hoffentlich ist der Kapitän nicht dabei ..., dann bin och wieder weg.
Morgens entdecke ich an Deck neben einem Aschenbecher ein Schild. Sinngemäß : "Raucher sterben früh". Jemand hat darunter gekritzelt "wenn sie außerdem trinken". Wird wohl jemand von der Mannschaft gewesen sein,  die kennen sich damit aus.
Die Fahrt von Sassnitz nach Berlin mit der DB wird hoffentlich kein berichtenswertes Abenteuer.
Bis Montag werde ich wohl den Schlussbericht fertig haben. Bis dahin wünsche ich euch ein schönes Wochenende!

Im Wartesaal

Heute muss ich erst mal entschleunigen. Bisher ging es immer darum, rechtzeitig wieder auf der Piste zu sein, um das Etappenziel zu erreichen.

Ich stehe auf und weiß,  dass ich heute nur eine wichtige Aufgabe habe,  nämlich das Fährticket für Donnerstag nach Sassnitz zu besorgen.

Nachdem mich O2 scheinbar dauerhaft aus dem Internet verbannt hat, , bleibt mir nur das WLAN des Hotels oder das Reisebüro.

Das Reisebüro ist mir sicherer. Die Sache ist schnell erledigt und ich schaue mir die Stadt an.

Aber erst mal was essen. Am zentralen Theaterplatz sitze ich in der Sonne und genieße Zanderfilet im Speckmantel, danach Crêpes mit Kirschen und Eis und ein Espresso.

Was für ein Fest, nachdem ich mittags immer nur Wasser,  Brot und Salami zu mir genommen habe. Alles zusammen übrigens zu einem Preis von etwas mehr als 10 €.

Auf dem Theaterplatz sind einige Stände aufgebaut. Dort gibt es auch Ansichtskarten für meine Enkelchen.
"Na, wat suchste denn, Jungchen?" fragt mich die alte Dame mit dem Goldzahn.

Ich kann es nicht fassen - ich hab sie gefunden,  eine der letzten, die noch ostpreußisch spricht!

Sie ist 72 Jahre alt, heißt Inge und ist in Heydekrug (Silute) geboren - sie sagt wirklich richtig ostpreußisch "Heydekrug"! Ich kann mich garnicht satt hören.

Sie erzählt mir viel aus der Vergangenheit.  Als ich sie frage, ob sie heute noch Probleme mit den Russen hat, sagt sie: "wenn de n Russen n Finger abschneidst, kommt der gleiche rote Saft raus , wie beim Litauer, wir sind doch alle gleych!"

Dann spricht sie noch über die Gegenwart. Sie bekommt umgerechnet 30 € Rente. Ihr Mann hatte 200 €, aber er ist verstorben. Deshalb könnte sie ohne Arbeit nicht überleben. Von dem Verkaufserlös für Karten und Bernsteinschmuck bekommt sie 10 Prozent. Im Sommer muss sie was zurücklegen, weil im Winter die Miete höher ist.

Von der Altstadt für die Touristen habe ich erst mal genug gesehen,  also gehe ich ziellos in die andere Richtung und finde zahllose Zeugen der Vergangenheit.

Aufschriften aus der Vorkriegszeit,  hässliche Mehrfamilienhäuser, die,  weil unverputzt, auch nach 30 oder 50 Jahren seltsam unfertig aussehen,  Halter für die viel benutzten Fahnenstangen, einen alten Wolga (der könnte auch nach Havanna passen) ...

Außerdem fiel mir noch die großartige Innovation auf, dass an stark frequentierten Bushaltestellen die Fahrpläne auf Walzen montiert sind.  

Morgen ist Sporttag bei Pery,  vielleicht macht ihr mal einen Termin für die nächste "Weihnachtsfeier" - nächste Woche bin ich wieder dabei.

Aber ich gehe morgen wahrscheinlich noch mal zu Inge und um 19 Uhr legt die Fähre ab.

Freitag um 12 Uhr sollten wir in Sassnitz sein - und dann nichts wie nach Haus. Jetzt ist die Luft raus.

Dienstag, 27. August 2013

Wieder auf dem R1

Heute früh weckt mich die Kälte. Nachts ist es jetzt schon sehr frisch und so ein Bungalow kühlt schnell aus. Es ist aber auch Zeit  aufzustehen.g
Waschen,  Frühstück,  dann schnell noch das Fahrrad bepacken ind schon stehe ich zusammen mit den Hamburgern am Schiff. Das Aufladen der Fahrräder übernimmt die Crew. Es ist genug Platz für alle da.
In Nida treffe ich wieder auf den Europaradweg R1, den ich im polnischen Frombork (Frauenburg) am letzten Donnerstag verlassen hatte.
Nida (Nidden) ist ein schickes Urlaubsörtchen mit farbigen Holzhäusern, vielen Restaurants und einer am Haff entlang führenden Uferpromenade.
Leider habe ich ziemlich heftige Schmerzen im linken Bein, so dass ich auf Sightseeing verzichten muss. Eigentlich wollte ich mir heute das Thomas-Mann-Museum ansehen.  Der hatte hier ein schönes Sommerhaus und konnte ohne Visum über Königsberg anreisen.
Ich setzte mich also nur an die Promenade, schaue den Möwen zu und mache mein Bein lang.
Dann fahre ich über einen vorzüglichen Radweg Richtung Klaipeda. 
Wer wie ich glaubte, dass man über einen schmalen Streifen Land radelt und ständig die Ostsee oder das Haff sieht, der irrt sich. Nachdem ich Nida verlassen habe, sehe ich das Haff nur noch einmal und die Ostsee garnicht. Die Nehrung ist relativ breit und meistens fährt man durch schöne Nadelwälder.
Die Ostsee versteckt sich hinter hohen Dünen. Weil man zu deren Überwindung steile Treppen steigen muss, habe ich heute darauf verzichtet - ich kenne die Ostsee ja schon.
Der Radweg ist sehr gut ausgeschildert und in gutem Zustand.
Dann winkt schon Kleipeda (Memel). Die einzige Verbindung zwischen Ostsee und Haff trennt Klaipeda und will mit der Fähre überwunden werden.
Erwartungsgemäß waren es heute nur 74 km.
Die Straßen in der Innenstadt von Klaipeda erinnern an Babelsberg - Kopfsteinpflaster.
Eine Unterkunft finde ich schnell nahe der Altstadt. Mein Fahrrad steht sicher im Treppenhaus. 
Und endlich habe ich wieder eine Internetverbindung über WLAN. 
Mein Provider hat sich noch nicht wieder gemeldet.  Es scheint so,  dass ein Hacker meine Verbindung gekapert hat,  um schnell und kostenlos große Mengen Daten zu saugen.
Ich hatte vorgestern Abend  kurz hintereinander mehrere Warnmeldungen de Providers,  als ich mein Blog schrieb. 
Egal, die Reise geht jetzt mit großen Schritten dem Ende entgegen. Donnerstagabend werde ich die Fähre nach Sassnitz nehmen und Freitag gegen mittag dort ankommen. 
Dann kommt der schwierigste Teil der Reise,  die Fahrt mit der DB ...

Am Ziel?

Die Zeitumstellung habe ich scheinbar verkraftet.  Ich wache morgens in meiner Rümpelbude namens Hotel Jurbarkas auf.
DasTreffen mit Brian fällt mir gleich wieder ein.
Ganz klar, der Reiz solcher Reisen besteht im wesentlichen aus drei Komponenten:

- ein Land kennen zu lernen,

- mit Leuten aus anderen Ländern in Kontakt zu kommen

und mal für eine begrenzte Zeit auf sich allein gestellt zu sein.

Zunächst mißtraue ich der gestern mit der Deschurnaja verabredeten Frühstückszeit. Irrtum, kurz nach halb Acht klopft es und sie bringt mir ein Tablett mit Würstchen, Eiern, Brot ohne Kümmel und anderen Köstlichkeiten. Natürlich esse ich alles auf, ich werde jede Kalorie brauchen.
Bisher war ein Gespräch mit der Dame sehr schwierig,  da sie kein Englisch kann. Da fällt mir ein, dass russisch vielleicht eine Basis wäre - Treffer. Leider muss ich schnell feststellen, dass der Russischunterricht wohl nichts gebracht hat, die Verständigung bleibt holprig. Egal, sie nimmt mein Geld und gibt mir mein Rad. Meine Taschen sind schon gepackt und so kann es bald losgehen.

Der Wettergott meint es gut mit mir und schnell ist klar,  dass das heute ein langer Kanten wird. Bereits um dreiviertel Zwölf (viertel vor Zwölf) habe ich mein ursprünglich geplantes Ziel Pagegia erreicht.

Schnell ein kleiner Wasser/Wurst/Brot-Imbiss und weiter geht's.
Zwar handelt es sich um eine Fernverkehrsstraße, aber der Verkehr ist mäßig und die Straße ist gut.

In den Ortschaften gibt es viele hässliche Mehrfamilienhäuser,  manchmal wurden die Fernwärmeleitungen einfach davor auf der Straße verlegt. 

Auch die bei uns früher verbreiteten Reihengaragen kann man hier finden.

Generell habe ich zwar den Eindruck, dass die meisten Litauer etwas zurückhaltender als  die Polen fahren,  aber es gibt heftige Ausreißer.

Jetzt kann ichs ja sagen, die vierzig Kilometer vor Silute werden der Horror. Bald höre ich auf, die gefährlichen Szenen zu zählen. Meistens sind es Fernfahrer aus Litauen oder Russland,  die ohne Sicherheitsabstand überholen oder mir auf meiner Fahrspur beim Überholen entgegen kommen,  manchmal auch Pkw-Fahrer.
Es ist ein Graus, leider zeigt meine Karte keine Alternative.

Zum Glück ist der Albtraum hinter Silute zu Ende.

Jetzt kommt eine ruhige Straße zur Binnenseite des Kurischen Haffs.
Dort habe ich mir einen Campingplatz in Vente ausgesucht, von dem eine Fähre nach Nida auf der Nehrung fahren soll.

Mein Plan ist, dass ich von Nida aus die Kurische Nehrung bis Klaipeda fahre. Leider fand ich im Internet keine Bestätigung,  dass der Campingplatz noch existiert und die Fähre noch fährt.
Aber ich habe richtig Glück, nehme einen Bungalow auf dem Campingplatz und erfahre, dass die Fähre an allen Tagen ausser Montag verkehrt.  Jetzt habe ich ein Ticket und freue mich auf morgen.
Heute abend habe ich noch zwei Österreicher kennengelernt,  die eine Senioren-Fahrradfahrergruppe aus Hamburg betreuen und mit mir morgen übersetzen.

Zum Schluss habe ich noch einen traumhaften Sonnenuntergang erlebt.

Die Schlussetappe war127 km lang. Morgen werden es zum Austrudeln auf der Kurischen Nehrung nochmal ca. 60 km bis Klaipeda. 

Leider hat mich der Provider vorläufig vom Datennetz getrennt,  so dass ich mein Tagebuch erst jetzt aktualisieren kann.

Sonntag, 25. August 2013

Jurbarkas

Der Tag fängt gut an. In der Nacht bin ich aufgewacht und mir ist eingefallen,  dass irgendwas mit der Zeit war ...
Tatsächlich habe ich mit dem Fahrrad die Zeitzone gewechselt. In Litauen ist es eine Stunde später als in Deutschland.  Deshalb habe ich dann doch das Frühstück am Campingplatz genommen,  dass es ab 8 Uhr gibt - in Deutschland also 7 Uhr.
Gleich gibt's noch ne Überraschung - das dunkle und das helle Brot sind mit Kümmel gebacken - bißchen gewöhnungsbedürftig. Habe ich eben länger dran gekaut als üblich.
Der Morgen war wunderbar und sonnig. Auch die meisten Litauer lagen wohl noch in den Federn.  Jedenfalls gings auf den glatten Straßen sehr ruhig zu und ich konnte mich mutterseelenallein von einem zum anderen Hügel quelen,  wobei der Gegenwind immer stärker wurde.
Noch hatte ich nur wenige Litas in der Tasche und brauchte aber noch was zu essen und zu trinken für unterwegs.
Als ich durch ein kleines Dorf kam, es war kurz vor Zehn,  strömten gerade die Einwohner zur Kirche. Aus der Kirche,  wahrscheinlich auch über Lautsprecher übertragen,  kam ein wirklich wunderschöner liturgischer Gesang. Ich musste einfach stehen bleiben und zuhören.
Gesang.MP3
Im nächsten größeren Ort, Kybartai,  suchte ich nach dem Stadtzentrum,  konnte aber keins finden, weil es keins gab. Immerhin stand an der wichtigsten Kreuzung eine Art Supermarkt und an der Aussenwand hing der Bankomat. So lies sich praktischerweise Geld holen und ausgeben gleich miteinander verbinden.
Die hügelige Straße wurde immer ebener, aber leider verschwand auch der Wald und ich musste inmitten von Feldern gegen den Wind ankämpfen. Dabei stellte ich fest,  dass es die Litauer mit dem Grüßen ebenso wenig haben wie die Polen.
Letztendlich habe ich mich nach Jurbarkas durchgeschlagen und ein elendes, aus Sowjetzeiten hinüber gerettetes Hotel bezogen. Das Hotel hat sich auf die fünfte und sechste Etage zurück gezogen,  die Zimmertür klemmt und lässt sich nur mit viel Überredung abschließen. Wenn der Fahrstuhl im Erdgeschoss ruckartig hält, ist man zwei Zentimeter kleiner. Ein Restaurant gibt es nicht.
Nach dem Duschen ging ich die Hauptstraße von Jurbarkas entlang, um irgendwo was zu Essen aufzutreiben.  Schließlich fand ich ein Restaurant,  ich bestellte mir Bier und was chinesisches zu Essen, nachdem die Kellnerin mir erklärt hatte,  dass es so richtiges litauisches Essen ausser Borschtsche (!) nicht gäbe.
Gerade hatte ich mein Bier bekommen,  da schaut sichein Mann nach einem Platz um, dem ich schon bei der Ankunft in Jurbarkas kurz begegnet war. Wir waren beide offensichtlich Fremde und hatten uns zugenickt.
Wir erkannten uns wieder und er fragte gleich auf englisch: warst du das nicht vorhin mit dem Fahrrad? 
Wir waren beide froh, nicht allein rumsitzen zu müssen und haben den ganzen Abend verquatscht.
Er heißt Brian, ist Allgemeinmediziner, kommt aus Connecticut und ist auf den Spuren seiner deutschen Vorfahren in Litauen unterwegs.
Auf dem Rückweg lud ich ihn noch ein, mein Zimmer zu besichtigen. Er fand es sehr amüsant,  zumal er das Hotel nach dem ersten Eindruck im Eingangsbereich fluchtartig verlassen hatte. 
Durch diese Begegnung wurde der Abend in der tristen Stadt doch noch sehr nett.
Heute waren es übrigens 102 km. Ob es morgen wieder deutlich weniger oder deutlich mehr werden, lass ich mal den Wind entscheiden ...

Samstag, 24. August 2013

Polen-Rußland-Litauen

Heute soll die Tour also richtig international werden. Ich habe mir eine kurze Strecke vorgenommen,  weil ich keine Ahnung habe,  was mich in Litauen erwartet.
Zuerst einmal gibt's Frühstück.

Der Festsaal ist leer, niemand zu sehen, nur in der Küche klappert es.
Eine etwas unbeholfene Dame weist mir einen Platz am "Präsidiumstisch" zu. Leider kein Buffet,  alles auf Zuteilung, immerhin reichts zum satt werden. Wenig später kommt ein deutsches Ehepaar, das mit Bahn und Bus auf den Spuren ihrer Vorfahren unterwegs ist. Ich halte mich nicht lange auf ind starte bald Richtung Litauen.

Die Strecke ist heute sehr hügelig, schön anzusehen aber bei unangenehmen Wind schwer zu fahren. Dafür gibt es nicht viel Verkehr. Die Autos haben jetzt häufiger litauische und russische Kennzeichen.

Als ich gerade Pause mache, überholt mich ein Fahrradfahrer mit Gepäck, er fährt bei knapp 20 Grad mit freiem Oberkörper und winkt mir kurz zu.
Wenig später sehe ich ihn einige hundert Meter vor mir stehen. Als ich näher komme, fährt er weiter. Deprimierend! Findet er mich schon unsympathisch,  bevor wir uns gegenüber stehen konnten?

Als ich in einem SKLEP noch etwas Wasser und Kuchen für die Weiterfahrt kaufe, begegnet er mir nochmals kurz. Da bemerke ich, dass er polnisch spricht. Aha, das ist wohl die Erklärung. Die Frau im SKLEP kann ich nicht überreden,  das Wechselgeld zu behalten, ich kann doch nichts damit anfangen.

Auch wenn ich als Fahrradfahrer nicht die besten Erfahrungen gemacht habe, macht mich doch der Abschied ein bisschen wehmütig.  Selbst wenn die Polen auf der Straße etwas abweisend wirken,  sind sie doch gute Gastgeber.

Es in diesen Tagen niemals passiert,  dass mich jemand betrügen wollte oder abweisend reagiert hat. Im Gegenteil, gerade in der Gastronomie waren die Mitarbeiter alle sehr freundlich und hilfsbereit. 

Also Leute, auch Polen ist eine Reise wert! 

Punkt zwölf stehe ich am Dreiländereck Polen-Rußland - Litauen. Auf polnischer Seite sind extra eine Tafel und ein Stein aufgestellt worden. Putin hat einen Gartenzaun aufstellen lassen und die Tür abgeschlossen. Nach Litauen komme ich hier aber auch nicht,  der Weg führt nicht weiter.

Auf der Suche nach einem Weg nach "drüben" treffe ich den Radler nochmal.  Endlich kommen wir ins Gespräch.  Er ist aus Kutno in Zentralpolen hierher aufgebrochen und will nur mal kurz an der Grenze lang fahren. Insgesamt hat er nur vier Tage Zeit. Armer Hund! Wir verabschieden uns freundlich und ich drehe endgültig nach Litauen ab.

Eine Stunde nach der Besichtigung des Dreiländerecks überquere ich nun wirklich die Grenze.

Der erste Eindruck ist sehr positiv,  die Straßen sind sehr gut und alles sieht gepflegt aus.

Mal sehen, wie es weitergeht.

Ich biege wie geplant zum Ferien- Ressort Victoria ab. An der Rezeption vor mir sind einige Litauer
Nachdem ich mir einige Zeit die Sprache angehört habe, merke ich,  dass ich wohl nicht ein einziges Wort nachsprechen könnte. Mir kommt es wie eine einzige Buchstabensuppe vor, etwa so, als ob Skandinavier wie die Sties sprechen würden (man muss dazu den Film "Willkommen bei den Sties" kennen).

Als ich dran bin,  stellt sich heraus,  dass Kreditkarten nicht akzeptiert werden - nur Bares ist Wahres!

Der nächste Geldautomat soll 30 km weiter sein. Glücklicherweise wird der Euro akzeptiert. Etwas peinlich ist mir,  dass ich die Scheine an der Rezeption aus dem Schuh kramen muss. Ich habe ja damit nicht gerechnet und wollte das Geld als Notreserve dort aufbewahren,  falls mir etwas gestohlen wird (ja, ja die Vorurteile).

Immerhin habe ich ein Dach über dem Kopf und bekomme was zu Essen. Das Ressort ist wohl noch aus Sowjetzeiten, alles sehr schlicht,  aber an einem schönen See gelegen.  Die Grenze zu Russland verläuft in der Mitte.

Heute waren es nur 56 km - Negativrekord, aber dafür bin ich in einem neuen Land!

Kleiner Nachtrag: inzwischen war ich im Restaurant essen. Sehr interessant.  Zuerst die Suppe des Tages - pinkfarben, kalt, enthält Kohl und gekochtes Ei . Dazu werden warme Salzkartoffeln mit Dill serviert.  Als Hauptgericht hatte ich aus purer Unsicherheit ein Steak ausgesucht, dazu gab's wieder Salzkartoffeln und eine fertige Grillsoße. Als Garnierung zwei Pilstomas, die auf den Namen "Volfas Engelman" hören. Das Ganze für deutlich weniger als zehn Euro. Man sollte sich dabei vor Augen halten, was dabei für die Leute,  die die Arbeit machen,  übrig bleibt. Wenigstens habe ich mir noch mein erstes litauisches Wort beibringen lassen: Ačiū - heißt danke und wird "Aitschu" gesprochen.

Und ganz zum Schluss habe ich mir einen schönen Sonnenuntergang am See Vistyneckoe gegönnt. 

Freitag, 23. August 2013

Noch ist Polen nicht verloren ...

so beginnt die polnische Nationalhymne.  Zwar verabschiede ich mich morgen aus Polen mit dem Eindruck, dass Polen und Fahrrad nicht zusammen passen. Vielleicht mit einer Ausnahme: ins SKLEP zum Bier holen.
Aber möglicherweise wirds ja noch in ferner Zukunft was.

Heute habe ich mich erstmals in Polen an einem beliebten Hotelproblem erfreut: der Duschkopf hängt wie ein Lämmerschwanz am Haken und lässt sich nicht fixieren.
Wenn Frauen in der Variante "ohne Haare" duschen, dann geht das noch,  bei mir ist das immer ein Ärgernis.
Insgesamt gibt's über Hotels in Polen nichts zu meckern. Alles ist sauber und ordentlich.
Heute gab's zum Frühstück Quarkplinsen in mehreren Varianten. Auch die beliebten sauer eingelegten Champions hatte ich schon.

Heute stand eine relativ kurze Etappe nach Goldap auf dem Programm. Goldap deshalb, weil es die letzte Stadt ist, bevor ich links nach Litauen abbiegen will. Auf dem Weg dorthin gab's sehr schöne Landschaft und zwei kräftige Regenschauer.

Erster Stopp war Lötzen (Gizycko), ich glaube,  dass ist der größte Ort in Masuren. Über die malerische handbetriebene Drehbrücke bin ich gerade noch rüber gekommen,  dann wurde sie aufgemacht. 

Auf deranderen Seite verwickelte mich eine Horde gelangweilter Senioren inein Gespräch übers Fahrradfahren.  Beinahe hätte ich den Brückenschwenk verpasst. 

Anschließend ging es ständig bergauf und bergab durch zahllose kleine Dörfer

Es gibt relativ viele Bauruinen und alte verfallene Häuser hier, aber merkwürdigerweise wird oft direkt daneben neu gebaut. 

Das am häufigsten vorkommende Verkehrsschild musste ich auch mal fotografieren

Kleiner Hinweis: es ist kein Reh.

Goldap ist ein eher langweiliger kleiner Ort mit einem rechteckigen großen Platz im Zentrum, der leider zur Hälfte als Parkplatz missbraucht wird.

Überhaupt scheint sich in Polen vieles dem Auto unterzuordnen. 

Am ulkigsten finde ich aber das Hotel.  Es erscheint total überdimensioniert für den kleinen Ort. Alles ist nobel eingerichtet und mit einem runden Bankettsaal ausgestattet. Der junge Kellner scheint mit insgesamt sechs Gästen völlig überfordert zu sein.

Die übrigen Angestellten bereiten scheinbar so eine Art Ball der Wirtschaft vor und bügeln im Bankettsaal die Tischdecken. Es wirkt sehr skurril, weil Schein und Sein einfach nicht zusammen passen. 

So, morgen geht's nach Litauen

Ich bin sehr gespannt und ihr hoffentlich auch! 

Donnerstag, 22. August 2013

Verkehrsrowdies und die Wolfsschanze

Der Tag beginnt sonnig.  

Wie immer bediene ich mich großzügig am Frühstücksbuffet. Erst ein paar Cornflakes mit Milch, dann zwei bis drei Brötchen,  gerne auch Kuchen und Joghurt, dazu Saft und Kaffee.

Das geht nicht anders, sonst komme ich nicht mit Wasser und Süßkram bis zur Mittagspause. 

Heute will ich nicht so weit fahren, also lasse ich es langsam angehen.
Wie immer ist es schwierig,  den richtigen Weg aus der Stadt zu finden.
Nach einiger Zeit hupt mich ein Lkw auf einer zweispurigen Fernstraße an. Da ich nicht ausweichen kann - es gibt nur einen schmalen,  5 cm tiefer liegenden Randstreifen - fahre ich einfach weiter,  der Lkw auch. Das war knapp, ich schaffe es gerade so, auf dem Rand zum stehen zu kommen. Kurze Zeit später überholt mich im Ort ein Kleintransporter und biegt direkt vor mir ab - bin ich Luft?

Damit nicht genug. Ich war auf einer Fernstraße unterwegs, als von rechts ein Caravan aus einer Nebenstraße kam. Alles war übersichtlich,  also fuhr ich weiter. Der Caravan gab Gas und machte im letzten Moment eine Vollbremsung.

Schwein gehabt, das wäre die Krönung.1000 km durch Polen zu fahren und trotz rabiater polnischer Autofahrer ohne Kratzer davon zu kommen,  um dann von einem Rheinländer über den Haufen gefahren zu werden! 

Ich weiß nicht,  wer den größeren Schreck bekommen hat, jedenfalls hat er sich später noch zweimal wortreich bei mir entschuldigt.

Zuviel zu meiner naiven Vorstellung,  dass es in Masuren gemächlich zugeht.

Immerhin sehe ich auch ohne Strich auf der Straße, dass ich jetzt wirklich in Masuren bin. Das Schild ist eindeutig. Es ist jetzt auch wesentlich hügeliger als bisher.

Mein heutiges Ziel heißt Rastenburg,  auf polnisch Kętrzyn. Unweit davon, in  Gierłoż, ließ sich Hitler ab 1940 unter strenger Geheimhaltung die Wolfsschanze bauen, sein Hauptquartier für die Ostfront. Am 20. Juni 1944 fand hier das letztlich erfolglose Attentat auf Hitler durch von Stauffenberg, von Tresskow und andere statt.

Die Ruinen sind heute Freiluftmuseum. Das wollte ich mir ansehen. 

Ursprünglich wollte ich in Kętrzyn übernachten, aber dann stellte ich fest, dass die Wolfsschanze sieben km entfernt liegt und dass dort in einem ehemaligen Gebäude der Wachmanschaften ein Hotel eingerichtet wurde.

Als ich im Regen ankomme,  ist das Hotel ausgebucht. Also habe ich erst mal das Gelände besichtigt. Es werden auch Führungen angeboten.

Eigentlich ist nicht viel zu sehen.Nur riesige Betonbrocken und eine Gedenktafel an der Stelle,  wo das Attentat stattfand. 

Unter dem bekannten Motto "rückwärts nimmer, vorwärts immer" entschließe ich mich, nicht nach Kętrzyn zurück zu fahren,  sondern weiter Richtung Litauen zu fahren. Dabei entdecke ich genau die Motive, die man von Masuren klischeehaft annimmt.  Es gibt sie wirklich! 

Ich finde ein nettes Motel. Wieder esse ich die hervorragende polnisch Suppe Zurek (Schureck gesprochen), die jedes mal anders ist und jedesmal wunderbar schmeckt. 

Nebenbei erfahre ich, dass eine Kellnerin 1, 50 € pro Stunde verdient und eine andere Frau für das Kartoffelsortieren 1 € pro Stunde. 

Was sonst noch passierte:

Heute habe ich drei Fernradler getroffen, alle in der falschen Richtung unterwegs, aber wir haben uns herzlich über die Straße gegrüßt. Gestern sind mir zwei Bremer begegnet,  die mir bestätigt haben, dass Kaliningrad nicht unbedingt ne Reise wert ist. 

Dass mir alle nur entgegen kommen,  kann eigentlich nur an meiner hohen Geschwindigkeit liegen.  Warum überhole ich bloß niemanden? 

Heute waren es 89 km bis Sterławki Wielkie.

Bilder kann ich leider heute keine mehr erstellen, ich habe häufige Verbindugsabbrüche.


Mittwoch, 21. August 2013

Schon Masuren?

Das Wetter hat sich auf niedrigem Niveau stabilisiert.  Das bedeutet kein Regen aber auch keine Sonne bei knapp 20 Grad. Ab und zu hat ganz oben jemand eine feuchte Aussprache und der Wind ist teilweise sehr heftig, nicht immer zu meinen Gunsten. 

Es ist immer schwer, aus einer größeren Stadt herauszufinden. Erst fahre ich in der falschen Richtung. Fahrradwege enden abrupt in der Baustelle.
Irgendwann ist es geschafft und ich bin auf dem Weg nach Frombork (Frauenburg).

Wieder mal so ein Ort, der irgendwie außerirdisch wirkt.  Alles extrem sauber und gepflegt,  touristisch, viele Gaststätten und ein kleiner Hafen.

Ich bin fast an der Ostsee angekommen, denn das ist das Frische Haff. Ein Haff ist ein komplett vom Meer durch die Nehrung getrennter Brackwasserbereich. Die berühmte Kurische Nehrung weiter im Osten kann ich von hieraus nicht sehen. Das macht aber nichts, ich fahre ja noch hin.

Aber zunächst fahre ich wieder vom Meer weg. Dazu verlasse ich endgültig den Europaradweg R1, schleiche mich an Zar Putins Reich Kaliningrad vorbei und nehme einen individuellen Weg nach Lidzbark Warminski. Zugegeben, kein besonders poetischer Name.

Wo fängt das richtige Masuren eigentlich an - ist ja kein Strich auf der Straße.

Ich habe bei Wikipedia nachlesen,  ich bin noch garnicht da. Kurz nach Frombork muss ich meine Karte austauschen,  da überfallen mich ganze Mückenschwärme. Ich bin sicher, ich bin   in Masuren!  Stimmt aber nicht, erst morgen ist es soweit. 

Die Landschaft ähnelt sehr der brandenburgischen.  Warum bin ich dafür so weit gefahren? 

Vielleicht,  weil ich hier durch eine Kleinstadt fahre, die früher Mehlsack hieß. Auch wenn die Polen mit den alten deutschen Namen kein ernsthaftes Problem mehr haben, stehen diese Bezeichnungen natürlich nicht auf den Ortsschildern, sondern nur auf den deutschen Landkarten.  Leider verschwindet ja auch der schöne ostpreußische Dialekt. Wenn ich Glück habe, kann ich ihn in den nächsten Tagen noch mal hören. 

Die Leute sind auch deutlich freundlicher.  Ich werde mehrmals zuerst gegrüßt, ein Lkw-Fahrer bedankt sich,  weil ich ihm die Vorfahrt lasse.

Ungefähr 20 km vor Lidzbark beginnen die Baustellen. Ein Martyrium für alle Verkehrsteilnehmer! Einspuriger Verkehr mit zeitgesteuerter Ampelregelung, kurze Pause,  dann wieder das Gleiche. Ergebnis: eine Kolonne hat endlich eine Baustelle überwunden um gleich wieder 10 Minuten an der nächsten zu stehen usw. 

Mir kann es egal sein,  ich ignoriere die roten Ampeln und werde sogar freundlich von den Bauarbeitern durchgewinkt.

Abgesehen von den Baustellen sind die Straßen jetzt auch wesentlich besser. 

Weil wir gerade bei den Autofahrern waren, ich wollte ja noch meine Erklärung dafür geben, warum in Polen soviel Opel fährt: Opel ist ein Anagramm oder Schüttelwort von Pole.Auf solche Lösungen kommt man nur durch langes Fahrradfahren ...

Heute waren es 126 km (auch bedingt durch Umleitungen). Die nächsten Etappen werden aber deutlich kürzer,  ich habe es mir versprochen. 

Dienstag, 20. August 2013

Heute wirklich Elblag

Wenig überraschend hat es heute Nacht angefangen zu regnen. So wird es auch immer wieder kräftige Schauer geben. Auf den Wetterbericht ist eben Verlass. Leider fällt damit die Bootsfahrt auf dem Oberländischen Kanal ins Wasser, die der freundliche Herr an der Rezeption für mich organisieren wollte. Aber das ist nicht so schlimm, weil der spektakuläre Teil des Kanals, an dem die Schiffe über Land gezogen werden, sowieso zur Zeit rekonstruiert wird.

Also habe ich Zeit, mir die Stadt anzusehen und mal wieder Wäsche zu waschen.

Zur Wäsche gibt's nichts zu erzählen, aber über die Stadt. Als ich ankam, musste ich auf einer stark befahrenen Straße erst mal durch ein großes Industriegebiet.

Anschließend begann die Altstadt, wobei der Begriff nicht ganz korrekt ist, denn die übergroße Zahl der alten Häuser wurde im 2. Weltkrieg zerstört. Stehen geblieben ist das alte Postamt.  Viele Häuser sind inzwischen wieder aufgebaut bzw. durch Neubauten ersetzt worden. Das ist meiner Meinung nach meistens gut gelungen, jedenfalls besser, als das, was in der DDR in solchen Fällen entstanden ist. Allerdings gibt es in Elblag (Elblong gesprochen), wie auch in anderen polnischen Orten diese eigenartige Mischung von Schönem und Unvollendetem, manchmal gibt's große verwilderte Flächen mitten in den Orten.

Heute leben 120.000 Menschen hier, natürlich vorwiegend in neuer Stadtvierteln. Wie bisher überall auf meiner Tour kommt man hier mit Englisch sehr gut zurecht. Speisekarten sind eigentlich immer auch in deutscher Sprache verfügbar.

In der Altstadt herrscht die Gastronomie, in der Neustadt hat der Handel eine beeindruckende Anzahl von Damenbekleidungsläden hervor gebracht. Allerdings meistens sehr klein. Ein Kaufhaus habe ich nicht gesehen. 

Elblag hat mehrere Straßenbahnlinien, auf denen die guten alten Tatrabahnen und sehr modere Wagen verkehren - genau wie bei uns. 

Mein Fahrrad steht direkt neben der Hotelrezeption. Bisher gab es kein Problem mit der Unterbringung. Mehrmals stand es schon in Abstellräumen, Bügel- oder Billardzimmern.
Heute war ich bei Rossmann, den gibts hier ebenso wie Kaufland, Lidl oder Hunde-Netto.
Kleiner Schock - zwei Wahlmänner patrouillierten durch die Gänge, ein weiterer checkte die Überwachungskameras.
Haben Lewandowskis doch recht? 
Als ich sagte, dass viele Deutsche die Polen nur als Handwerker oder Diebe wahrnehmen, lachten sie: "Das denken viele Polen auch!".

In den letzten Tagen bin ich übrigens doch noch mehreren Reiseradlern begegnet, alle fuhren in der "falschen" Richtung. Zumindest haben wir uns euphorisch gegrüßt. 

Ungefähr drei Kilometer vor Malbork kam mir ein kräftiger Mann mit der Statur von AxMü zu Fuß entgegen und grüßte überraschend freundlich. Als ich scho an ihm vorbei war, rief er mir etwasauf polnisch nach. Ich dachte, er wollte wissen, wo ich hherkomme oder mir etwas zum Weg sagen. Dann fragte er mich auf englisch,  was meine Fahrradtaschen kosten würden. Nachdem ich im den ungefähren Preis gesagt hatte,  bedankte er sich höflich und zog von dannen???

Vielleicht noch etwas zum Verbrauch. Ich benötige 3 Liter Wasser und 1 Liter Bier auf 100 km, den CO2-Ausstoß habe ich bisher noch nicht gemessen. Das Bier gibt's aber immer erst am Ziel,  es gehört also eigentlich nicht mehr in die Rechnung. Unterwegs esse ich Brot, am liebsten "Mexikanski" und dazu eine feste Salami aus der Uckermark, die leider langsam zur Neige geht. 

Heute gab's hinter den Regenwolken noch ein bisschen Abendrot, der Wetterbericht verspricht auch nahezu trockenes Wetter. Also gute Bedingungen für den Weg nach Lidzbark Warminski.